Fachkräfte im Homeoffice: "Dein Mikrofon ist aus"

Zum Abschluss des Projekts (Mai 2020 bis Mai 2021)

Am 28. Mai 2021 trafen sich die Erzieher*innen, die am Projekt "Fachkräfte im Homeoffice" teilnahmen noch einmal digital. Ein letztes Mal am Bildschirm, denn nun können sie wieder in den Kitas vor Ort und persönlich mit den Kindern und ihren Teams zusammen sein, spielen, lachen. Im digitalen Abschlusstreffen war ihre Freude darüber sehr spürbar.

Über 15 Monate war der Kontakt zu den Kindern nur digital möglich. In diesen Monaten haben sie mit großer Unterstützung ihrer Kita-Leitungen immer wieder Wege gefunden, im Kontakt zu den Kindern und zum Teil auch deren Familien zu bleiben. Es wurden von ihnen Ideen und Möglichkeiten gefunden die Kinder in ihrer sprachlichen Bildung zu unterstützen. Es galt, bei technischen Fragezeichen nicht aufzugeben sowie ein Teil ihres Teams zu bleiben – trotz der notwendigen Distanz. Kreativität, Geduld und Neugierde waren oft gefragt.

Im Rückblick haben alle gestaunt über ihre zum Teil neuen gewonnenen Fähigkeiten. Die Liste reicht von "A" wie Aufrechterhalten einer vertrauensvollen Beziehung im digitalen Kontakt über "B" wie bewusste Anwendung von Sprachlernstrategien bis zu "V" wie Vertiefen des Wissens zur Medienkompetenz. Bei all dem: auch nicht die Auseinandersetzung und Anwendung aller technischen Gegebenheiten zu vergessen.

Zum Gelingen des Projekts haben auch die regelmäßig stattfindenden digitalen Treffen mit anderen Erzieher*innen im Homeoffice, den drei Fachberatungen und der Referentin für Qualitätsentwicklung beigetragen. Die Treffen halfen, konkrete Schwierigkeiten zu besprechen, Praxisbeispiele vorzustellen und zu reflektieren, neue Ideen zu finden und genauer auf den Aspekt der sprachlichen Bildung zu schauen.

Mittelpunkt blieben die Kinder und ihr Interesse sowie ihr Mitteilungsbedürfnis, ihre Lust, trotz eines Bildschirms miteinander zu erzählen.

Beim Abschlusstreffen wurde deutlich, wie wertvoll den beteiligten Fachkräften die Möglichkeit war, weiter arbeiten zu können und für die Kinder da zu sein. Die großen Zweifel und Befürchtungen, die zu Beginn des Projekts sehr präsent waren, verflogen im Rückblick.

Mit ihren eigenen Worten drücken zwei der Beteiligten die Erfahrungen so aus:
 

Meine Zeit als Homi von März 2020 bis Mai 2021
(von Steffi aus der Ev. Kita Nazareth)

Als Erzieherin im Homeoffice, wer hätte das gedacht.
Darüber haben am Anfang nicht wenige gelacht.
Die Kinder nahm ich nicht mit nach Haus.
Doch gemacht hab ich etwas draus.
Ich wurde auch gut unterstützt!
Von Jule, Yvonne, Teresa und Johanna, das hat was genützt.
Durch gute Grundlagen wurde die digitale Welt rund.
So gelingt digitale Sprachförderung!
Ein Austausch mit anderen Homis machte klar: Ich stehe nicht alleine da.
Die neuen Herausforderungen habe ich angenommen.
Und viele neue Erfahrungen dazu gewonnen.
Sprachförderung, von Erlebten berichten …
Bewegungsinteraktionen, gelesene Geschichten …
Alles kann gut über das Zoomen gelingen.
Sogar das gemeinsame Singen.
Doch eines fehlte mir, und das ist nun mal ganz wichtig!
Der persönliche Kontakt, das In-den-Arm-Nehmen und zwar richtig!
Ich habe vieles dazu gelernt und die Kinder haben mitgemacht!
Wir haben am Bildschirm auch viel gelacht.
Die Kollegen haben alles gut mitgetragen.
Das WLAN war selten am Versagen.
Ich kann Angebote gut digital mal vorbereiten.
Oder Eltern mit Fragen über Mail gut begleiten.
Wochenerlebnisse können digital die Familien erreichen.
Ich stelle jetzt digitale Weichen.
Doch gern klappe ich den Laptop auch zu.
Und begebe mich in digitale Ruh.
Dann freue ich mich darauf, dass ihr mich in der Kita zwischen den Kindern seht …
Mal sehen, ob ich noch weiß, wie es geht …

 

Akrostichon zum "Homeoffice"
(von Maria aus der Ev. Kita Jesus-Christus)

H — Herausforderung, Hausaufgaben, Häuslichkeit
O — Oh, oh, "Computern" will gelernt sein, Offenheit für Neues
M — MP3-Aufnahmen, Mitarbeit, mediale Bildung, Mut, Materialvielfalt
E — Ehrgeiz, Engagement (für Bibliothek, Geschichten, Computer, Dokumentationen)
O — online DBs, online Zoom mit den Kindern, online Morgenkreise, online Fasching, online Vorträge, online Fortbildungen, Organisation (Tagesstruktur, Material)
F — Fridgework, (mein stiller, geduldiger Flipchart-Ersatz für Gedanken, Gliederungen, Pläne: mein Kühlschrank)
F — Flexibilität, Freiheiten, Fachkompetenz (erweitern), Fachliteratur, Fachsimpeln, Fantasie (Zoom-Einzelstunden, Geschichten usw.)
I — Innehalten, Inhalte überprüfen, IMPFUNG
C — coole Geschichten, Chance, Computerfähigkeit, Chats mit anderen Projektteilnehmer*innen, CORONA ADE, ciao, ciao Homeoffice
E — Erlebnisse, Erfahrungssteigerung, Eigeninitiative, ENDE!!!

 

Nun heißt es nicht mehr am Laptop "Dein Mikro ist noch aus." Jetzt kann wieder ganz direkt miteinander gesprochen werden. Das Thema "digitale Medien in der Kita" wird dennoch weiter eine Rolle spielen. Die beteiligten Erzieher*innen werden ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit Sicherheit in ihre Teams tragen und auch anderweitig einbringen.

Allen Beteiligten (Kita-Leitungen, Kita-Teams, den beteiligten Fachkräften, Fachberatungen, der Referentin für Kommunikation und Qualitätsentwicklung) ein großes Dankeschön! Nicht zuletzt gilt der Dank der Vorständin Kathrin Janert, die nicht nur die Idee auf den Weg brachte, sondern auch für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgte.
 

Mehr zu diesem Projekt
Zwischenbericht (Februar 2021): "Kontakt halten – Sprachentwicklung fördern – Medienkompetenz entwickeln"